Im Frühjahr 2025 präsentierte sich das JUSOM auf sehr hohem Niveau und brach thematisch eine Lanze für die Freiheit des Geistes.
„Die Gedanken sind frei (…) Kein Mensch kann sie wissen, Kein Kerker verschließen (…)“ heißt es in einer Fassung des bekannten Volksliedes, die um 1800 in einer Sammlung von Achim von Arnim erschien. Die Freiheit des Denkens, die hier besungen wird, ist vermutlich die bedeutungsvollste Leistung, zu der wir in der Lage sind. „Im Kopf“ können alle Grenzen überwunden werden – die Grenzen des Denkbaren, die des Machbaren und auch unsere physischen Beschränkungen verlieren bei Ausflügen in die Gedankenwelt ihre Wirkung. Einzig beengt durch unsere Vorstellungskraft, birgt unsere Phantasie nahezu grenzenlose Möglichkeiten kreativen Handelns und gleichermaßen ein unbändiges Potenzial an Kraft und Motivation für das Streben nach Freiheit oder Veränderung in jeglicher Hinsicht. Eine Grenzenlosigkeit, die nicht unterdrückt werden kann, birgt je nach gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen nicht nur unendliche Möglichkeiten des Handelns in schöpferischen Prozessen, sondern gleichermaßen Gefahren für Leib und Leben, wenn Machtstrukturen danach streben, die Grenzenlosigkeit einzuhegen und die Freiheit zu beschränken.
Die Freigeiser, die dem Publikum im Frühjahrsprogramm begegneten waren einerseits die Komponisten, die beflügelt durch ihre Freiheit im kreativen Denken bisher „unerhörtes“ geschaffen haben. Franz Schubert beispielsweise, der in seiner „Unvollendeten“ als erster Komponist die Tonart h-Moll verwendet, die als Synonym für das Jenseitige steht. Sein Werk gewährt mit großer Sicherheit einen musikalisch gefassten Einblick in die Gedankenwelt des Komponisten, ohne aber ihre Geheimnisse preis zu geben. Und selbst die Gründe dafür, dass seine Sinfonie ein nicht vollendetes Fragment blieb, liegen bis heute im Verborgenen. Oder Carl Maria von Weber, der erstmals eine feste Sitzordnung im Orchester und den Taktstock beim Dirigieren einführt und mit seinem Freischütz als Begründer der romantischen Oper gilt. Von ihm erklang im Konzert das Concertino für Klarinette und Orchester Op. 26, bei dem Jette Dickmann, eine Schülerin von Petra Wesenick; als Solistin brillierte und die Mitspieler:innen im Orchester wie natürlich auch das Publikum gelichermaßen begeisterte.
Andererseits waren es im zweiten Teil des Programms nicht die Komponisten selbst, die als Freigeister „auftraten“, sondern vielmehr die Geschichten und deren Protagonisten, die von ihrer Musik kommentiert werden. Deren freies Denken steht dabei tradierten Strukturen, Machtverhältnisse und Egoismen entgegen, wie z. B. bei Robin Hood und Ben Hur oder äußert sich bisweilen auch nur in einer unkonventionellen und erfrischend naiven Lebensweise wie bei der Figur des Forrest Gump.
Zwar beschäftigte sich die Musik im zweiten Teil ausnahmslos mit fiktiven Personen und Ereignissen, die Aktualität der Themen rund um Freiheit, Unterdrückung, Rassismus und Macht ist aber leider ungebrochen.