Liebe beschäftigt uns alle. Als leidenschaftliche Liebe zweier Menschen ist sie häufig die treibende Kraft, die zu menschlichem Handeln motiviert. Tiefe und uns ganzheitlich erfassende Emotionen steuern uns dabei wesentlich und leiten uns nach unseren Bedürfnissen gut, bisweilen aber auch fehl. Das Frühjahrsprogramm des JUSOM zeugte von der schöpferischen Kraft der Liebe als inspirierende Quelle für Musik, Literatur und Film.
Im Falle von Schuberts Bühnenmusik zu „Rosamunde“ muss man aber klar von einer emotional bedingten Fehlberatung durch seinen Freund Josef Kupelwieser bei der Wahl des Librettos sprechen. Schubert sah in Carl Maria v. Weber sein großes Vorbild als Opernkomponist und entwickelte den Wunsch, selbst für die Bühne zu schreiben. Schon Helmina von Chézys Libretto zu Webers Oper Euryanthe aber war ein Flopp. Kupelwieser allerdings, der in Helmina verliebt war, bestärkte Schubert darin, ihr Libretto zu „Rosamunde, Prinzessin von Zypern“ als literarische Vorlage für sein Bühnenwerk zu wählen. Der Stoff fiel durch, immerhin aber erkannte das Publikum die Qualität der Komposition, sodass die Bühnenmusiken bis heute konzertant aufgeführt werden.
Als kongeniale Verbindung erwies sich hingegen die Zusammenarbeit von Leonard Bernstein und Arthur Laurents bzw. Stephen Sondheim als Songtexter gute 130 Jahre nach Schubert. Die Vertonung der klassischen Liebestragödie „Romeo und Julia“ schlechthin, im neuen Gewande als Konflikt zweier rivalisierender Jugendgangs in New York unter dem Titel West Side Story, war von Anfang an ein Riesenerfolg. Die Geschichte um die tiefe Liebe zwischen Romeo und Julia respektive Maria und Tony spielt in den 50er Jahren und thematisiert ethnische Konflikte, die als Quelle gewalttätiger Auseinandersetzungen an Aktualität leider bis heute nicht nachgelassen haben.
Neben der großen Liebe und ihrer Verarbeitung in den großen Werken der Weltliteratur, ist sie als Haupt- oder Seitenthema wesentlicher Handlungsstrang vieler Filme der jüngeren Geschichte. Und auch hier spielt die Musik eine wesentliche Rolle und emanzipiert sich bis Weilen sogar vom filmischen Kontext. In allen Beispielen, von Peter Pan bis hin zur Historienverfilmung von Titanic aber, vermochte das JUSOM sein Publikum anzurühren und musikalisch ein Abbild der tiefen Emotionen zu vermitteln, die die Hauptpersonen in den verfilmten Geschichten zueinander hegen mögen.
Eine besondere Beziehung darf man auch unserer Solistin Elisabeth Wichmann zu ihrem Instrument, dem Euphonium und dem JUSOM unterstellen, die mit dem Konzert für Euphonium und Orchester von Alexander Potiyenko brillierte und sowohl in den schnellen und sehr virtuosen Sätzen wie auch in den lyrischen Passagen mit einfühlsamer Musikalität überzeugte. Das besondere für sie und das Orchester: der Komponist, der als Instrumentallehrer an der Kreismusikschule in Cloppenburg arbeitet, wohnte dem Konzert bei und sparte nicht mit Lob für die Solistin und das Orchester.
Das Konzert und die Leistung der jungen Musikerinnen und Musiker unserer Musikschulen zeugte ein weiteres Mal von ihrer Begeisterung für das Orchester und die Musik, die sie motiviert und antreibt – vielleicht ist das Konzertmotto daher für manche(n) aus dem Orchester auch umzudeuten als: in love… with JUSOM.